Aspartam: Freund oder Feind?

Aktualisiert: Jan 16

Wie die wissenschaftliche Lage zu Zuckerersatzstoffen aussieht und ob wir uns Gedanken beim Konsumieren von Lightprodukten machen sollten, erfährst du in diesem Artikel.



Aspartam ist der weltweit meistverwendete Zuckerersatzstoff und soll an dieser Stelle für diese und ihre Auswirkungen dargestellt werden. Dabei ist er kein natürlicher, sondern ein synthetisch hergestellter Lebensmittelzusatzstoff (oft auch nur als E951 gekennzeichnet). In der Theorie liefert Aspartam die gleiche Energiemenge wie Eiweiß (4kal. pro Gramm), weil er in die Aminosäuren L-Asparaginsäure und L-Phenylalanin aufgespalten wird. Da er aber 200-mal süßer als Zucker ist und daher in sehr geringen Mengen verwendet wird, ist sein Beitrag zur Energiezufuhr zu vernachlässigen. Genau aus diesem Grund wird er beispielsweise in zuckerfreien Getränken wie Cola Light verwendet.


Darüber hinaus kann und wird er in der Gewichtsreduktion eingesetzt. Während Ginos Diät stand beispielsweise auch Fanta Zero auf seinem Ernährungsplan. Auch hier ist Aspartam enthalten und vielfach kam der Hinweis auf die Liste an Kritikpunkten zu diesem Zusatzstoff. Und diese ist lang: Von erhöhtem Krebsrisiko, über die Wirkung als Appetitanreger bis hin zu der Gefahr als tödliches Nervengift.


Was ist wirklich dran?

Wenn es grundsätzlich um Ernährung und bei Aspartam speziell um Inhaltsstoffe geht, so ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) als unabhängige wissenschaftliche Fachgesellschaft eingangs eine gute Informationsgrundlage. Diese gibt Empfehlungen auf wissenschaftlicher Grundlage aus, bis zu welchen Höchstmengen Inhaltsstoffe konsumiert bzw. welche gemieden werden sollten. Dies gilt z.B. im Falle von Vitaminen natürlich auch für Empfehlungen von Mindestmengen.


Die hier herangezogenen Quellen kamen, bis auf wenige Ausnahmen (Künstliche Süßstoffe - Haben Sie ein kanzerogenes Potential?, 2001), zu dem Ergebnis, dass keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Aspartam zu erwarten sind. Zusammenhänge mit Auswirkungen wie Kopfschmerzen, Allergien, neuroendokrinen Veränderungen, Epilepsie oder erhöhtem Krebsrisiko konnten bei gesunden Menschen nicht bestätigt werden.


Aber woher kommen die anderslautenden Ergebnisse?

In vielen dieser Studien zu Aspartam und den anderen Süßstoffen werden zu kleine Stichproben untersucht, welche die Aussagekraft der Studie einschränken. In einigen Studien, vor allem wenn es um hohe Dosen und noch unzureichende Erkenntnisse über Auswirkungen gibt, werden Ratten anstelle von Menschen untersucht. Dass diese Ergebnisse nicht unbedingt auf den Menschen übertragbar sind, wird in den Artikeln oft verschwiegen.


Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Menge macht das Gift. Dies gilt für Aspartam genauso wie für die meisten Zuckerersatzstoffe [z.B. Acesulfam K (E950), Cyclamat (E952), Saccharin (E954) oder Sucralose (E955)].


Bei den festgelegten Grenzen der DGE und anderen entscheidenden Quellen sind diese Höchstmengen aber kaum zu erreichen, welche im Falle von Aspartam um die 40 mg/kg Körpergewicht liegen. Das würde für Gino bedeuten, er müsste bei seinen derzeitigen 100 kg täglich 20 Dosen Fanta Zero trinken, um diesen Wert zu überschreiten.


Auch das Vorurteil eines gewichtssteigernden Effekts von Süßstoffen konnte bisher durch wissenschaftliche Untersuchungen nicht bestätigt werden. Die Hypothese entspringt der Annahme, dass Süßstoffe über die Geschmacksqualität „Süß“ eine Insulinausschüttung anregen und nachfolgend einen Blutglucoseabfall provozieren, der zu gesteigertem Appetit und dann zu einer vermehrten (hyperkalorischen) Nahrungsaufnahme führt. Dies konnte in entsprechenden Experimenten nicht bestätigt werden. Die Studienergebnisse zeigen vielmehr, dass Insulinausschüttung und Blutglucosekonzentration durch Süßstoff nicht beeinflusst werden. Im Gegenteil:

Süßstoffe können im Rahmen von Gewichtsreduktionsprogrammen sehr sinnvolle Hilfsmittel sein, um den Probanden zu suggerieren, sie würden Zucker konsumieren ohne Kalorien aufzunehmen.

Im Allgemeinen sind die einzigen Personengruppen, die über die Zufuhr von künstlichen Süßstoffen besorgt sein sollten: Kinder, schwangere Frauen, stillende Mütter und diejenigen, die anfällig für Kopfschmerzen oder Migräne sind. Solltest du in keine dieser Gruppen fallen, musst du dir keine Sorgen darüber machen, Lightprodukte zu konsumieren.


Ein Praxisbeispiel am Schluss: Rechnerisch lassen sich allein durch das Verwenden von Süßstoff anstelle von Zucker im Kaffee oder Tee pro Jahr etwa 20000 kcal einsparen, was einer Fettgewebsmasse von ca. 3 kg entspräche.


Wenn du dich noch genauer zum Thema Aspartam informieren willst, können wir folgende Quellen empfehlen:

www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/suessstoffe-in-der-ernaehrung/

www.bfr.bund.de/cm/343/bewertung_von_suessstoffen.pdf

www.eatright.org/food/nutrition/dietary-guidelines-and-myplate/sugar-substitutes-how-much-is-too-much

Evaluation of aspartame cancer epidemiology studies based on quality appraisal criteria. (2019)

Aspartame and its effects on health. (2004)



Revisiting the safety of aspartame (2017)


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